Original oder Leinwanddruck — so erkennen Sie ein echtes Ölgemälde

Oksana Fedotiuk
Oksana Fedotiuk
6 Min. Lesezeit
Original oder Leinwanddruck — so erkennen Sie ein echtes Ölgemälde
Inhaltsverzeichnis

Ein Leinwanddruck wirkt heute überzeugend. Echte Gewebestruktur, Holzkeilrahmen, satte Farben — aus drei Metern Entfernung unterscheidet ihn nicht jede Malerin vom gemalten Bild. Genau das nutzen manche Anbieter: Ein Druck für 60 € wird als „Unikat“ für 600 € verkauft.

Ein Druck an sich ist ein ehrliches Produkt. Schwierig wird es, wenn er als Original ausgegeben wird. Im Folgenden, wie Sie ein Bild in fünf Minuten selbst prüfen — ohne Gutachter und ohne Spezialgerät.

Betrachten Sie das Bild von der Seite

Die schnellste Methode. Stellen Sie sich so, dass das Licht fast parallel zur Oberfläche auf die Leinwand fällt — von einem seitlichen Fenster oder mit der Handytaschenlampe, dicht an die Kante gehalten.

Ölfarbe liegt in Schichten, und der Pinselstrich hinterlässt ein Relief. Im Streiflicht wirft es winzige Schatten: Man sieht, wohin der Pinsel ging, wo die Farbe dicker liegt, wo der Spachtel eine Kante gezogen hat. In hellen Partien ist das Relief oft höher — Weiß wird pastoser aufgetragen.

Ein Druck ist in diesem Licht flach. Auch wenn die Leinwand strukturiert ist, handelt es sich um die Struktur des Gewebes — ein gleichmäßiges Raster über die ganze Fläche. Es weiß nicht, wo im Bild der Himmel ist und wo das Gesicht.

Prüfen Sie die Kanten

Drehen Sie das Bild und sehen Sie sich die Seiten des Keilrahmens an.

Bei einem Gemälde läuft die Farbe unregelmäßig über die Kante. Die Künstlerin setzt das Motiv entweder auf den Seiten fort oder lässt sie grundiert — dann sieht man, wo der Pinsel innegehalten hat. Es gibt Läufer, Fingerabdrücke, zufällige Striche.

Beim Druck verraten die Kanten die Technik. Das Motiv ist meist gespiegelt oder unscharf auf die Seite verlängert, oder die Seite hat eine gleichmäßige Einheitsfarbe. Die Übergangslinie von der Vorderseite zur Kante ist schnurgerade — so zieht keine Hand eine Linie.

Nehmen Sie eine Lupe

Eine Lupe genügt, oder die Handykamera mit maximalem Zoom. Richten Sie sie auf eine gleichmäßige Fläche — Himmel, Hintergrund, Schatten.

Im Druck setzt sich die Farbe aus Punkten zusammen. Beim Offsetdruck ist das ein regelmäßiges Raster aus Rosetten in vier Farben, beim Tintenstrahldruck ein feines farbiges „Korn“ wie Bildrauschen auf einem Foto. In der Vergrößerung sieht man das sofort.

In der Malerei gibt es keine Punkte. Die Farbe ist physisch gemischt — auf der Palette oder direkt auf der Leinwand —, und unter der Lupe zeigen sich Schlieren, Pinselhaare, feine Risse in der getrockneten Schicht, Körnchen reinen Pigments, die sich nicht ganz vermischt haben.

Werfen Sie einen Blick auf die Rückseite

Die Rückseite verrät viel.

Beim Original signiert die Künstlerin oft auf der Rückseite: Name, Titel, Jahr, manchmal Format und Technik. Die Leinwand ist mitunter ungleichmäßig grundiert, Spuren von Leim und Klammern sind sichtbar. Bei älteren Arbeiten finden sich Etiketten von Galerien und Ausstellungen.

Bedruckte Leinwand ist hinten einheitlich hell, oft mit Herstellermarkierung am Rand. Eine Signatur, falls vorhanden, steht mit Filzstift auf dem blanken Gewebe und ist nicht Teil der Arbeit.

Die Signatur auf der Vorderseite

Auf einem Ölgemälde ist die Signatur mit derselben Farbe gemalt wie das Bild, über den getrockneten Schichten. Im Streiflicht hat sie ein Relief wie ein Pinselstrich.

Beim Druck ist die Signatur mitgedruckt. Sie ist flach und liegt unter der gemeinsamen Firnisschicht, nicht darauf.

Ein Sonderfall — „handveredelt“

Die tückischste Variante. Man nimmt einen Druck und setzt einige Striche aus transparentem Gel oder Farbe darauf — meist auf Lichter, Wellenkämme, Blütenblätter. Im Streiflicht entsteht Relief, und die erste Prüfung scheint bestanden.

Verraten wird eine solche Arbeit durch den Widerspruch. Relief gibt es nur stellenweise, und darunter liegen dieselben Druckpunkte, wenn man direkt neben dem Strich mit der Lupe schaut. Die Striche liegen auf dem Bild, statt es aufzubauen: In echter Malerei sind Licht und Schatten mit Farbe gemalt, hier sind sie gedruckt und obenauf kommt Glanz.

Seriöse Anbieter nennen das „handveredelter Druck“. Unseriöse — „Unikat“ oder „Originalgemälde“. Der Preisunterschied zwischen einem echten Original und einer solchen Veredelung ist ein Vielfaches.

Dokumente und Entstehungsgeschichte

Ein Echtheitszertifikat garantiert für sich genommen nichts — es kommt aus demselben Drucker. Verlässlicher ist anderes:

  • Fotos aus dem Arbeitsprozess. Wer selbst malt, fotografiert fast immer die Etappen: Untermalung, Zwischenschichten, Details. Fragen Sie danach. Wenn ich ein Porträt im Auftrag male, erhält der Auftraggeber Zwischenstände während der Arbeit — das ist übliche Praxis.
  • Eine Rechnung der Künstlerin oder Galerie mit Angabe der Technik.
  • Kontakt zur Urheberin. Eine lebende Künstlerin kann man direkt fragen, ob sie das Bild gemalt hat.

Wann ein Druck die richtige Wahl ist

Ein Druck ist nicht schlechter, er ist etwas anderes. Wenn Ihnen ein bekanntes Museumsbild gefällt, Sie eine Wand in der Mietwohnung füllen möchten oder Dekoration fürs Büro für ein paar Jahre brauchen — ein guter Druck zum fairen Preis ist besser als ein mittelmäßiges Original.

Ein Original lohnt sich, wenn es um die Arbeit selbst geht: einmalig, mit einer Oberfläche, die sich nicht wiederholen lässt, gemalt von jemandem, den Sie kennen oder fragen können. Ein Ölgemälde übersteht bei richtiger Pflege Jahrhunderte — mehr dazu im Artikel über die Pflege von Ölbildern. Ein guter Druck bleicht in zehn bis zwanzig Jahren aus.

Wer ein Original kauft, sollte wissen, wofür er bezahlt: für Schichten, die über Wochen aufgebaut werden — wie die Schichtmalerei in Öl funktioniert, beschreibe ich gesondert.

FAQ — häufige Fragen

Ist Giclée ein Original?

Nein. Giclée ist ein hochwertiger Tintenstrahldruck mit Pigmenttinten. Er ist haltbarer als ein gewöhnlicher Druck und gibt Farben gut wieder, bleibt aber ein Druck. Unter der Lupe sieht man das Korn, im Streiflicht eine flache Oberfläche.

Kann man einen Druck firnissen, damit er wie Öl aussieht?

Firnis bringt Glanz und etwas Schutz, erzeugt aber kein Pinselrelief. Streiflicht und Lupe zeigen den Druck trotzdem.

Wie prüfe ich ein Bild, das ich online kaufe?

Bitten Sie um drei Fotos: das Bild im Streiflicht, die Kante in Nahaufnahme und die Rückseite. Seriöse Anbieter schicken sie ohne Weiteres. Wer ablehnt oder nur frontale Aufnahmen bei gleichmäßigem Licht liefert, gibt Anlass zur Vorsicht.

Riecht ein Ölgemälde?

Ein frisches — ja, nach Leinöl, einige Monate lang. Ein getrocknetes Bild riecht kaum, fehlender Geruch beweist also nichts.

Sind alle Arbeiten in Ihrer Galerie Originale?

Ja. In der Galerie der Ölgemälde sind ausschließlich von Hand in Öl gemalte Arbeiten, jede ein Einzelstück. Wenn Sie sich für ein bestimmtes Bild interessieren, sende ich Ihnen gern Fotos der Kante und der Rückseite.


Sie wählen ein Bild und möchten sicher sein, dass es ein Original ist? Schreiben Sie mir — ich sende Ihnen Fotos jeder Arbeit aus der Galerie der Ölgemälde im Streiflicht und von der Rückseite.

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